Der letzte Event G&P Event, ohne dass wir es damals wussten

Es ist 2026 und ich krame in meiner digitalen Fotokiste. Ich finde Bilder vom Gold & Pioneer Event 2022 in Biel. Fotos, die ich damals gemacht habe und nie veröffentlichte. Und während ich sie durchschaue, wird mir klar: Das war der letzte G&P Event. Das war der letzte Kiosk für uns Gold & Pioneer Member. Rückblickend wissen wir heute, dass es genau das war – ohne dass wir es damals wussten.

Das ist seltsam. Man macht Fotos, man erlebt einen Moment, und erst vier Jahre später merkt man: Das war ein Abschied. Das war das Ende einer Ära. Und ich war dabei. Ich habe es nicht gewusst.

Aber so funktioniert Geschichte manchmal. Man lebt sie, und erst später versteht man, dass man dabei war, als etwas endete.


Swatch „Over The Moon”: Das Gold & Pioneer Event 2022 in Biel

Nach drei Jahren Unterbrechung fand im Mai 2022 endlich wieder das traditionelle Gold & Pioneer (G&P) Swatch Club Event in Biel statt. Grund war Corona, das uns solange auf diesen Event warten ließ. Unter dem Motto „Over The Moon” waren 130 Clubmitglieder aus 13 Ländern geladen, um tief in die jüngste Erfolgsgeschichte der Marke einzutauchen. Ich war einer von ihnen. Und ich hatte keine Ahnung, dass das das letzte Mal sein würde.


Treffpunkt Biel: Architektur trifft Uhrengeschichte

Wir residierten in Neuchâtel – Hotel Beaulac und Beau Rivage – und von dort ging es direkt zum beeindruckenden Swatch Hauptquartier in Biel. Das Gebäude, entworfen von Shigeru Ban, war schon damals bemerkenswert. Architektur, die Klarheit ausstrahlt. Moderne Linien. Und innen: Uhrengeschichte.

Das besondere Highlight war der Zugang zur Nicolas G. Hayek Conference Hall im 4. Stock – ein Ort, der normalerweise den wichtigsten strategischen Entscheidungen der Swatch Group vorbehalten ist. Und wir, die Clubmitglieder, durften rein. Das war ein Privileg. Das merkten wir damals schon. Aber wir wussten nicht, dass es das letzte Mal sein würde.


Die MoonSwatch Experience: Storys aus erster Hand

Um 14:00 Uhr startete das Kernstück des Events. Nick Hayek selbst – CEO der Swatch Group – nahm sich drei Stunden Zeit. Drei Stunden! Um gemeinsam mit seinem Team die Entstehungsgeschichte der MoonSwatch zu rekapitulieren. Das ist nicht üblich. Das ist selten. Und damals war es spektakulär.

Er erzählte von einer Vision. Von einer Provokation. Von etwas, das die Uhrenwelt verändern sollte. Und er war dabei – von Anfang an.


Projekt „Galileo” – Ein gut gehütetes Geheimnis

Die Story der MoonSwatch war faszinierend. Es war faszinierend zu hören, wie das Projekt im August 2021 unter dem Codenamen „Galileo” startete.

Der Impuls: Nick Hayek suchte nach einer Provokation, die Freude zurück in die Uhrenwelt bringt. Das ist ein gutes Wort: Provokation. Nicht Marketing. Provokation. Eine OMEGA für 250 Franken? Unmöglich. Aber genau das war die Idee.

Die Entwicklung: Gregory Kissling, Head of Product Management OMEGA, entwarf innerhalb von nur drei Wochen die elf Modelle, die wir heute kennen. Drei Wochen! Das ist nicht lange. Das ist risikoreich. Das ist vertrauensvoll. Das ist Können.

Die Logistik: Dass die gesamte Lieferkette (ETA, Universo etc.) in der Schweiz liegt, ermöglichte es, die Werkzeuge für die Gehäuse-Formen in der Rekordzeit von nur sechs Wochen zu erstellen. Das ist Infrastruktur. Das ist Netzwerk. Das ist die Schweiz als Uhrenstandort, der noch funktioniert.

Die Verschwiegenheit: Trotz hunderter eingeweihter Mitarbeiter in den Fabriken drang bis zum Launch im März 2022 keine einzige Information nach draußen. Nicht eine. Das ist Disziplin. Das ist Vertrauen. Das ist eine Kultur, die es heute immer weniger gibt.

Und während Nick Hayek das alles erzählte, dachte ich: Das ist Geschichte. Das ist nicht nur Marketing. Das ist die Geschichte, wie eine Marke ihre Seele behält, während sie bekannt wird.


Sammler-Glück und Supergalactic Party

Nach den tiefen Einblicken folgte der praktische Teil: Die Teilnehmer hatten die seltene Gelegenheit, eine der begehrten MoonSwatches zu erwerben. Nicht im Laden. Nicht online. Hier. Jetzt. Direkt.

Ich kaufte mir eine. Ich erinnere mich noch daran, wie es sich anfühlte – die Uhr in der Hand, wissend, dass das gerade passiert. Dass ich hier bin. Dass ich dabei bin.

Der Abend gipfelte in einem Dinner in der Cité Du Temps. Und jedes Clubmitglied erhielt die Special Gent Over The Moon (GZ160E) als exklusives Geschenk. Das war nicht klein gemeint. Das war großzügig. Das war: Wir schätzen euch. Wir sehen euch. Wir danken euch.

Rückblickend, 2026, weiß ich: Das war auch ein Abschied. Aber wir wussten es damals nicht und wollten nicht daran denken. Wir wollten einfach einen Event genießen. Nach Corona. Nach den langen Monaten ohne Treffen. Das war unser Moment. Und wir wollten ihn nicht als Abschied sehen.


Tag 2: Museen, Kiosk und NFT-Premiere

Der zweite Tag stand im Zeichen der Markenwelt. Nach Besuchen im Omega- und Planet Swatch Museum – ein Besuch wie ein Spaziergang durch die Zeit – folgte das traditionelle G&P Kiosk. Der Kiosk! Das war immer das Highlight für Sammler. Zwanzig Minuten Zeit, um die eigenen Sammlungen zu vervollständigen. Begrenzte Stücke. Exklusive Modelle. Der Kiosk war die letzte Grenze zwischen Exclusivity und Availability. Und das war 2022 das letzte Mal.

Ich stand vor den Vitrinen und kaufte, was ich einfach toll fand. Ich dachte nicht daran, dass das das letzte Mal sein würde. Ich dachte: Es gibt nächstes Jahr wieder einen Kiosk. Es gibt nächste Jahr wieder einen Event.

Es gab ihn nicht.


Der erste Swatch-NFT – Ein digitaler Meilenstein

Dann kam die technische Premiere: Swatch gab seinen ersten NFT aus. OverTheMoon 24-25 May 2022. Bestehend aus 144 Bildern, nummeriert und signiert von Nick Hayek. Jeder Teilnehmer erhielt eine BitBox02 Hardware Wallet, um diesen digitalen Meilenstein sicher zu verwahren.

Das war interessant. Das war ein klares Signal: Swatch möchte auch in der Web3-Welt präsent sein. Nicht nur analog. Nicht nur Uhr am Handgelenk. Sondern auch digital. Blockchain. NFT. Die Zukunft.

Ich speicherte meinen NFT in der Wallet. Und ich dachte: Das ist eine interessante Ergänzung. Das ist Swatch, die sich selbst neu erfindet.

Heute, 2026, weiß ich: Der NFT ist wahrscheinlich die einzige digitale Erinnerung, die bleibt. Der letzte Event. Der letzte Kiosk. Aber der NFT – den werde ich immer haben. Das ist seltsam. Die digitale Version eines analogen Events ist jetzt das Einzige, das bleibt.


Was ich heute, 2026, über das Event denke

Rückblickend war das „Over The Moon” Event 2022 mehr als nur ein Sammlertreffen. Es war die Feier einer der erfolgreichsten Kollaborationen der Uhrengeschichte. Die MoonSwatch war eine Sensation. Und der Event war der Höhepunkt dieser Sensation.

Die perfekte Organisation durch das Swatch Club Team um Audrey und Aleksandra machte diese 28 Stunden zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Community. Und das war es auch damals schon – unvergesslich.

Aber heute, wenn ich die Fotos wieder anschaue, sehe ich mehr. Ich sehe einen Moment in der Zeit. Einen Moment, in dem Swatch noch Events machte. Noch Kioske organisierte. Noch Clubmitglieder ehrte. Noch CEO Nick Hayek sich Zeit nahm, mit 130 Sammlern aus 13 Ländern zu sprechen.

Das gibt es nicht mehr. Das war das letzte Mal. Und damals wussten wir es nicht.


Das Privileg, dabei gewesen zu sein

Wenn ich heute durch die Fotos scrolle, sehe ich nicht nur den Event. Ich sehe ein Privileg. Ich sehe die letzte Ära einer bestimmten Art von Swatch – eine Swatch, die noch Zeit für ihre Community hatte. Eine Swatch, die noch physische Treffen organisierte. Eine Swatch, die noch mit ihren Sammlern sprach.

Das ist heute schwer geworden. Oder unmöglich. Oder wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Es passiert nicht mehr.

Und darum sind die Fotos von 2022 mehr als Erinnerungen. Sie sind Zeitdokumente. Sie zeigen, wie es war. Sie zeigen, dass es möglich war. Sie zeigen, dass wir es erlebt haben.

Das ist seltsam befriedigend.


Quellen & Inspiration

[1] Andreas – Biel 2022 Event Report
Andreas dokumentierte das G&P 2022 Event 2022 unmittelbar nach dem Termin. Sein Artikel gab mir die Story zu meinen Bildern – er lieferte die Kontexte, die Details, die ich damals fotografiert habe, ohne sie alle aufzuschreiben. Mein Dank dafür.
URL: https://www.stay-tuned-to-sw.de/biel_2022.html
Land: DE | Stand: 2022


Deine Frage

Warst du dabei? Warst du beim G&P 2022 in Biel? Oder beim letzten Kiosk?

Schreib mir – ich bin neugierig, wie du dich daran erinnerst.

Dankeschön fürs Lesen!

0 Kommentare
  1. Kudi
    Kudi sagte:

    Ja, das war was besonderes. In diesem Jahr wurde ich Gold-Member (den Status habe ich immer noch). Am ersten Tag war die Geschichte der Moon-Swatch von Nick erzählt. Am Tag danach musst ich leider etwas früher weg, weil ich noch nach Basel an einen Messestand sollte. Speziell war da, ich habe in Neuenburg abgemacht, einen Ausstellungsgegenstand abzuholen. Also ab in den Zug nach dem Mittagessen und von Neuenburg wider via Biel nach Basel. Den NFC habe ich später auch noch erhalten von meinem Schwager.
    Positiv war der Anlass in Biel mit dem Rahmenprogramm, der Führung und dem Streetfood. Eher negativ war die Distanz zur Unterkunft. In Biel hat es auch gute Hotels. Es muss nicht immer oberste Klasse sein.

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